Weiterbildung zum Systemischen Therapeuten

In einer dreijährigen Ausbildung können Sie am isft die Zusatzqualifikation „Systemische Therapie und Beratung“ erwerben. Nach den theoretischen und methodischen Grundlagen im ersten Weiterbildungsjahr (Grundkurs) spielen Supervision und eigene Fallarbeit im zweiten Jahr (Praxisjahr) eine große Rolle. Im dritten Jahr (Aufbaukurs) werden die erworbenen Kenntnisse vertieft und um spezielle Inhalte der systemischen Arbeit ergänzt. Nach Abschluss der Weiterbildung wird die erworbene Qualifikation zertifiziert.

Strukturen

Die Systemische Therapie hat 2008 die längst erwartete Anerkennung als wissenschaftliches Therapieverfahren erhalten. In einer Vielzahl von wissenschaftlichen Studien konnte die Systemische Therapie ihre Wirksamkeit sowohl in der Behandlung von Erwachsenen als auch von Kindern und Jugendlichen eindrucksvoll nachweisen. Die beiden großen systemischen Verbände der Systemischen Gesellschaft (SG) und der Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) setzen ihr umfangreiches Engagement fort, um zukünftig auch die Zulassung der Systemischen Therapie innerhalb der Versorgung der Krankenkassen sicherzustellen. Neben einer Vielzahl von Forschungsaktivitäten, wissenschaftlichen Veranstaltungen und großem berufspolitischem Engagement haben die beiden Verbände Qualitätsstandards für systemische Therapie, Beratung und Supervision verabschiedet.

Als Mitgliedsinstitut sowohl der Systemischen Gesellschaft (SG) und der DGSF setzen wir diese Standards innerhalb unserer Weiterbildungsangebote um.

Abschluss der Weiterbildung und Zertifikat

Sie erhalten nach jedem Weiterbildungsabschnitt eine Teilnahmebestätigung, mit der Sie den absolvierten Ausbildungsteil nachweisen können. Das qualifizierende Zertifikat wird nach Abschluss der dreijährigen Weiterbildung durch das isft erteilt und ermächtigt den Teilnehmer, die Methode der systemischen Therapie/Beratung selbständig anzuwenden.

Bescheinigt werden nach diesen drei Jahren entsprechend dem vorliegenden Beraterkurs 640 Weiterbildungsstunden in systemischer Beratung. Mit diesem Zertifikat können sie die Qualifizierung "Systemischer Berater" bei den beiden großen deutschen Gesellschaften SG oder DGSF erwerben.

Darüber hinaus können Sie unmittelbar nach Abschluss der Weiterbildung mit 900 Stunden die Zertifizierung als "Systemischer Therapeut" durch die Systemische Gesellschaft (bei zusätzlichem Wunsch auch DGSF) beantragen, ohne weitere Nachweise dafur erbringen zu müssen.

Bewerbung

Aufnahmevoraussetzungen für die Weiterbildung sind:

  • Abschluss eines Hoch- oder Fachschulstudiums in einer humanwissenschaftlichen Disziplin (Medizin, Psychologie, Pädagogik, Sozialpädagogik/Sozialarbeit)
  • andere Berufsgruppen werden in begrundeten Fällen berucksichtigt, wenn sie eine beratende Tätigkeit ausuben oder in Ausbildung und Qualifizierung tätig sind (z.B. Polizisten, Juristen, Organisationsberater)
  • zwei Jahre Berufspraxis sind erwunscht, aber nicht Bedingung
  • bevorzugt werden solche Bewerber, die Selbsterfahrung oder Weiterbildung in anderen Therapiemethoden nachweisen können.

Bewerben Sie sich bitte mit:

  • unserem Bewerbungsbogen mit Passfoto
  • dem Abschlusszeugnis der bisherigen Berufsausbildung/des Studiums
  • den Nachweise uber bisherige Weiterbildungen, falls vorhanden

Bezahlt wird die verbindliche Platzbereitstellung im Kurs, so dass die Gebühr auch im Falle partieller Nichtteilnahme zu entrichten ist. Ein nichtbesuchter Kurs oder Weiterbildungsabschnitt kann im Folgejahr kostenfrei nachgeholt werden.

Inhalte

Die Inhalte systemischen Denkens werden in kollegialen, praxisnahen Übungsprozessen vermittelt.

Theorie

  1. Grundlagen der Systemtheorie und Systemtherapie

    Definition von Systemen; der Unterschied zwischen lebenden und unbelebten Systemen; Evolution, Wandel und Erhalt von Strukturen; Kybernetik 1. und 2. Ordnung; die Entstehung und Funktion von Informationen

  2. Grundlagen des Konstruktivismus

    Selbstorganisation; die Teile, das Ganze und die verbindenden Muster; die Rolle des Beobachters und seiner Werte; die Beziehung zwischen "Landkarte" und "Landschaft"; objektive Wahrheit von Erkenntnis versus Nützlichkeit für das Handeln; harte und weiche Realitätskonstruktionen; Wissenschaftstheorie

  3. Grundlagen der systemischen Therapie und Beratung

    Bedeutung des Kontextes, Familiendiagnostik, Unterscheidung zwischen Inhalts- und Beziehungsebene, Einnehmen der Außenperspektive, Erkennen von Beziehungsmustern, Funktion von Symptomen

Praxis

  1. Therapeutische Grundhaltungen

    Neutralität und Neugier; Aktivität und Passivität des Therapeuten, seine Macht und Ohnmacht, seine Verantwortung und ihre Grenzen

  2. Systemische Gesprächsformen, Interviewtechniken

    Genogrammarbeit, Familienkonstruktion
    (Datenerhebung, Informationsgewinnung, Hypothesenbildung)
    Modelle und Formen des zirkulären Fragens
    (Datenerhebung, Informationsgewinnung und -erzeugung, Unterschiede (er)finden, Unterschiede machen)
    Gesprächsbegleitende Analyseverfahren
    (die Beobachtung nonverbaler und paraverbaler Prozessmuster)
    Therapie, Beratung, Konsultationen, Supervision
    (die Bedeutung unterschiedlicher Beziehungsangebote in unterschiedlichen Auftrags- und Überweisungskontexten)
  3. Systemische Interventionen

    Interventionsformen
    (Umdeutung und Aufgaben, Nutzung von Metaphern und Geschichten, "paradoxe" Interventionsformen, Nutzbarmachung von Symptomen und Ritualen)
    Gestaltung von Interventionen
    (Dosierung, Strukturierung, Zeitpunkt)
    Formen der Teamarbeit - "Reflecting Team"
    (Kooperation und Aufgabenverteilung, die Nutzung unterschiedlicher Konzepte und Sichtweisen)
  4. Der therapeutische Prozess

    Setting, Kontaktaufnahme, Hypothesenbildung, Definition der problemlösenden Gruppe, Erstinterview, Sitzungsfrequenz, Verläufe, Beendigung der Therapie, Nachuntersuchung/Katamnese, Dokumentation

  5. Beziehungsdiagnostik - therapeutisch nützliche Beschreibungsmuster

    Grenzenbildung, Kommunikationsstil, Beziehungsmuster, Umgang mit Gefühlen, Kohäsion, Flexibilität, Wirklichkeitskonstruktionen, d.h. Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster, welche die Klienten mit in die Therapie bringen

  6. Systemtypologie - spezifische Muster bei unterschiedlichen klinischen Bildern

    Familien mit psychosomatischen und psychotischen Symptomen, Verhaltensauffälligkeiten, Sucht-, Sexual- und Partnerproblemen

  7. Kontextuelle Rahmenbedingungen

    • Wirklichkeitskonstruktionen, d.h. Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster, welche die Therapeuten mit in die Therapie bringen
    • institutionelle Bedingungen
    • gesellschaftliche und gesetzliche Rahmenbedingungen
  8. Unterschiedliche Anwendungsfelder

    • Einzel-, Paar- und Familientherapie
    • Konsultationen und Supervision
    • Institutions- und Organisationsberatung in klinischen und nicht-klinischen Kontexten
    • Systemische Gruppenarbeit und -therapie