Curriculum Systemische Kinder- und Jugendlichentherapie

Im Bereich der Behandlung und Beratung von Kindern und Jugendlichen bestehen in allen Bundesländern – so auch in Sachsen-Anhalt – erhebliche Defizite. Es bedarf altersgerechter und dem jeweiligen Entwicklungsstand angepasster Kommunikationsangebote auf Seiten der systemischen Therapeut/innen, die sich vom üblichen therapeutischen Gespräch mit erwachsenen Klienten unterscheiden. Systemische Therapeuten/innen und Berater/innen, die sich aufbauend spezielle Fertigkeiten, das neueste Wissen und weiterführende systemische Kompetenzen in der Kinder- und Jugendlichentherapie aneignen wollen, sind in diesem Spezialkurs genau richtig. Diese qualifizierte Zusatzausbildung ist in vielen Bereichen willkommen: Pädiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, Lerntherapie, Erziehungsberatung, aufsuchende Familientherapie, Heilpädagogik, Erziehungsbeistandschaften, Jugendhilfe, Schule. In besonderer Weise ist es notwendig, die Eltern in alle Therapieüberlegungen einzubinden und ihre aktive Mitwirkung zu fördern. Darüber hinaus ist eine hilfreiche Koordination verschiedenster Maßnahmen eine Garantie für ganzheitliche Entwicklungsimpulse für die Familie und das Kind. Das systemische Denken und Handeln bietet eine Vielfalt von speziellen Inhalten, Interviewtechniken und Interventionen. Viele kreative Impulse zur Kompetenzentfaltung erweitern inzwischen die Standards, und Sie sind eingeladen, vieles auszuprobieren.

An wen richtet sich die Weiterbildung?

Dieser Kurs wendet sich an diejenigen KollegInnen, die entweder am Magdeburger Institut für Systemische Forschung, Therapie und Beratung oder an einem anderen Mitgliedsinstitut der Systemischen Gesellschaft (SG) oder der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) eine Weiterbildung in „Systemischer Therapie und/oder Beratung“ abgeschlossen haben und die in ihrer beruflichen Tätigkeit hauptsächlich mit Kindern oder Jugendlichen arbeiten.

Inhalte und Schwerpunkte

Das besondere Augenmerk richten wir auf die Verbindung von Grundlagen, zentralen Praxisfeldern und Spezialanwendungsgebieten in der Therapie und Beratung mit Kindern, Jugendlichen und den dazugehörigen erwachsenen Systeme.

  1. Theoretische Grundlagen
    • Entwicklungspsychologie für ressourcenorientierte Diagnostik (Testdiagnostik und Alternativverfahren) und therapeutische Methodenauswahl
    • Kinder- und Jugendgesundheitspolitik: frühe Kindheit, Vorschulzeit, Schulpflicht, Gesundheitsrisiken
    • Bindungsforschung
    • Indikationen
    • Selbstreflexion therapeutischer Kompetenzen in eigenen Kinder- und Jugendwelten
  2. Störungsspezifisches Arbeiten
    • Identitätsfragen und Selbst(un)wirksamkeitserleben
    • Teilleistungsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, Verhaltensauffälligkeiten und Hyperaktivität
    • aggressives, dissoziales und gewalttätiges Verhalten
    • Schulprobleme (schulvermeidendes Verhalten, Schulangst, Schulversagen, Mobbing)
    • Behinderungen, psychosomatische Störungen, chronische Erkrankungen
    • Kriseninterventionen bei selbstgefährdendem Verhalten, kritische Lebensereignisse
    • Trauma und Trauer bei Tod und Verlusterfahrungen, sexuellen und anderen Gewalterfahrungen
    • Suchtverhalten von Jugendlichen (Essstörungen, Substanzenmissbrauch)
  3. Systemische Kinder- und Jugendlichentherapie (kreative Methoden)
    • Gestaltung einer Praxis für Kinder und Jugendliche, Werbung, Vernetzung
    • Begegnung mit Kindern und Jugendlichen, Aufträge klären, Therapieplanung, Evaluation von Therapiefortschritt (Zeitlinien, Familienkreise, Familienbrett, Biographiearbeit mit Kindergenogrammen)
    • Settingsvariabilität: Familientherapie, Kinder- und Jugendlichentherapie, Elterncoaching
    • Narrative Techniken: Geschichten, Cartoon, SMS, Mail
    • wohltuende und (er)lösende Metaphern
    • Imaginative Verfahren und Traumreisen, Handpuppen
    • Nutzung verschiedener Medien: Filme drehen, CD erstellen, digitale Fotoarbeit
    • kreative und entwicklungsförderliche Techniken von Symbolarbeit und Ritualen
  4. Spezielle Familienkonstellationen / Helfersysteme
    • benachteiligte Kinder und Jugendliche und ihre Familien
    • Trennung und Scheidung der Eltern
    • Alleinerziehende Mütter und Väter
    • Konflikte, Chancen / Ressourcen in Patchwork- und Weiterführungssystemen
    • Adoptiv- und Pflegesysteme, Kinder und Jugendliche in stationären Hilfeformen der Jugendhilfe
    • Kooperations- und Helfersysteme als Ressource
  5. Supervision
    • Supervision eigener Therapiefälle und Live-Supervision
    • Intervisionsgruppenarbeit

Umfang

Theorie und Methodik 150 Lehrstunden
Supervision 50 Stunden
Therapeutische Praxis 100 Stunden, davon 4 Verläufe
Intervisionsgruppe 50 Stunden
Examination

Zulassungsvoraussetzungen

  • abgeschlossenes Fachhochschul-/Hochschulstudium in einem psychosozialen / humanwissenschaftlichen Beruf
  • dreijährige Weiterbildung in systemischer Therapie/ Beratung bei einem der Mitgliedsinstitute der Systemischen Gesellschaft (SG) oder der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF)
  • Berufspraxis mit Kindern und/oder Jugendlichen während der Weiterbildung

Zertifizierung und Abschluss

Am Ende der Weiterbildung stellt das isft Magdeburg das Zertifikat „Systemische/ r Kinder- und Jugendlichentherapeut/in“ aus. Die Weiterbildung wird von der Psychotherapeutenkammer anerkannt.

Die Weiterbildung erfüllt die Richtlinien der Systemischen Gesellschaft (SG) und des DGSF, so dass eine Zertifizierung durch diese Verbände erfolgen kann.

Start:
1. Block: 16. bis 18. Oktober 2011
2. Block: 10. bis 12. November 2011
3. Block: 1. bis 3. Dezember 2011
4. Block: 19. bis 21. Januar 2012
5. Block: 22. bis 24. März 2012
6. Block: 10. bis 12. Mai 2012
7. Block: 28. bis 30. Juni 2012
8. Block: 18. bis 20. Oktober 2012
9. Block: (Examination) 29. November bis 1. Dezember 2012
Leitung: Dr. Carmen Kindl-Beilfuß, Dipl.-Psych. Kathrin Stoltze
Weitere Dozenten: Dr. Hannelore Buder, Jürgen Genzmann, Ansgar Röhrbein, Dr. Ursula Stradmann
Ort: Magdeburg, Haeckelstraße 6
Kosten: einmalige Organisationsgebühr
Blockkurse
Supervision
Zertifizierungsgebühr
Teilnahmegebühr: 350,- Euro pro Block + einmalige Organisationsgebühr von 80,- Euro
zahlbar in 17 Monatsraten á 190,- Euro